Exchange
Gegensätze
Großformatige Wandarbeiten aus Wellblech und Glas treten in einen Dialog – ästhetisch und räumlich. Auf den ersten Blick wirken die Materialien höchst unterschiedlich: dunkel und lichtundurchlässig das eine, hell und durchsichtig das andere. Auch die jeweilige Ausstrahlung ist geradezu gegensätzlich: Während das Wellblech als eher "armes", billiges Material gilt, hat das transparente Glas eine edle, fast luxuriöse Wirkung.
Gemeinsames
Doch trotz augenscheinlich klarer Kontraste gibt es auch gleichsam verwandtschaftliche Verbindungen zwischen den einzelnen Objekten. Da sind zunächst dieselben Höhen und gleiche Formate festzustellen, es scheint Ähnlichkeiten zu geben, was Details der gewellten Oberflächen betrifft, sowie ein wie auch immer geartetes Zusammenspiel malerischer Aspekte in einem bildhauerischen Prozess. Doch welche Qualitäten hat welches Objekt vom anderen übernommen? Wo liegen Ursachen für welche Wirkungen? Das Beziehungsgeflecht erweist sich als nicht leicht durchschaubar und komplex.
Prägungen
In diesem übertragenen Sinne lässt sich die Werkgruppe "EXCHANGE" von Ömer Faruk Kaplanals eine Auseinandersetzung mit der eigenen individuellen und kollektiven Identität verstehen. Woher kommen wir, was prägt uns, durch wen werden wir geformt? Was alles nehmen wir auf unsere jeweilige Lebensreise mit – aus unserer Herkunft, der Geschichte unserer Familie, unserer Erziehung, den Erlebnissen unserer Kindheit? Und was machen Erwartungen mit uns, wie formen neue Erfahrungen unsere Haltung, was geben wir im Lauf unseres Lebens vielleicht auch zurück? Es lassen sich Momente der Abhängigkeit, des Bewahrens und Weitertragens beobachten, aber auch des Ausbrechens, der bewussten Emanzipation und der Veränderung.
Austausch
Die zarten Spuren auf den Oberflächen der Objekte, die durch starke Hitzeeinwirkung und Energie entstanden sind, können als ein Ergebnis gemeinsamer Geschichte gelesen werden, als Ausdruck von Harmonie und Zugewandtheit, aber auch gleichermaßen als Zeichen wechselseitiger Reibungen und Konflikte. Wände und Raum hingegen verleihen den Gesten der Unruhe einen stabilisierenden Rahmen. Ebenso verweisen die Oberflächen mit ihrem gleichförmigen Rhythmus der Wellen auf den permanenten Austausch unterschiedlicher Positionen, auf einen vielfältigen "EXCHANGE", der fortdauert und vermutlich nie zu Ende ist.
Bernhart Schwenk
Contrasts
Large-format wall works made from corrugated sheet metal and glass engage in a dialogue – both aesthetically and spatially. At first glance, the materials appear to be highly different: one is dark and opaque, while the other is light and transparent. The radiance of each material is almost oppositional: While the corrugated sheet metal is considered a "poor" or inexpensive material, the transparent glass exudes a noble, almost luxurious effect.
Commonalities
However, despite the seemingly clear contrasts, there are also familial connections between the individual objects. First, there are the same heights and similar formats, and similarities can be found in the details of the corrugated surfaces, as well as in some form of interplay of painterly aspects within a sculptural process. But which qualities has each object taken from the other? Where do the causes of certain effects lie? The web of relationships proves to be not easily understandable and complex.
Impressions
In this metaphorical sense, Ömer Faruk Kaplan's work group "EXCHANGE" can be understood as a confrontation with both individual and collective identity. Where do we come from, what shapes us, who forms us? What do we carry with us on our respective life journeys – from our origins, our family's history, our upbringing, the experiences of our childhood? And what do expectations do to us, how do new experiences shape our attitudes, what might we give back over the course of our lives? Moments of dependence, preservation, and transmission can be observed, but also moments of breaking free, conscious emancipation, and change.
Exchange
The delicate traces on the surfaces of the objects, created by strong heat and energy, can be read as a result of shared history, as expressions of harmony and affinity, but equally as signs of mutual friction and conflict. The walls and space, on the other hand, provide a stabilizing frame for the gestures of unrest. Similarly, the uniform rhythm of the waves on the surfaces points to the continuous exchange of different positions, to a diverse "EXCHANGE" that continues and is likely never-ending.
Bernhart Schwenk